Cassandras Kopfkino
Freitag, 19. August 2005
LUSTIGE TELEFONATE I
cassandra, Freitag, 19. August 2005, 16:58
Filed under: Alltag
Ich glaube, ich habe irgendwann einmal erwähnt, dass mein neues Handy und meine Digitalkamera vor einigen Monaten ins Wasser gefallen sind. Die ganze Angelegenheit ist selbstverständlich eine Versicherungsangelegenheit und gestaltet sich ein wenig langwierig.

Gestern konnte ich einen ersten Durchbruch erzielen und halte nun meine reparierte (Neukauf wäre natürlich günstiger geworden, aber darum soll es hier nicht gehen) Kamera in den Händen.
Sie hat eine lange, ermüdene Reise hinter sich, doch bedauerlicherweise kein einziges Foto von Ihrem Weg aufgenommen, daher kann ich an dieser Stelle nur darüber berichten.
So eine defekte Kamera muss nämlich erst einmal einschickt werden, damit eine schriftliche Diagnose über den Gesundheitszustand gestellt werden kann (das dauert schon einmal mind. vier Wochen). Selbige leitet man dann mit diversen anderen Unterlagen, Tathergangberichten, Zeugenaussagen, Fotos, etc. an die Versicherung weiter. Die hatte dann zwar noch Probleme mit dem Handy und zweifelte daran, dass ich tatsächlich im Besitz eines Handys bin, aber immerhin erteilten sie mir die Erlaubnis, die Kamera zu reparieren.
Da sich in der Zwischenzeit einiges in meinem Leben getan hatte und ich unter anderem umgezogen bin, schrieb ich der Reparaturfirma ein Fax (das auch gleichzeitig der Auftrag war, also irgendwer hat es tatsächlich gelesen), in dem ich sie über meinen Umzug informierte, Ihnen die neue Adresse mitteilte, die auch gleichzeitig die Rechnungadresse darstellte und ihnen die Adresse meiner Firma als Lieferadresse angab (spart den Weg zur Post).
Klingt ein wenig kompliziert, ist aber mit ein bißchen guten Willen und wenn man des Lesens mächtig ist, durchaus verständlich.

Weitere Wochen zogen kameralos ins Land. Zu Beginn dieser Woche wagte ich dann ein vorsichtiges, telefonisches Nachfragen.

Komischer Typ am Telefon: Na klar ist die schon fertig. Schon seit zwei Wochen. Wir haben sie rausgeschickt und sie kam zurück, weil der Empfänger unbekannt verzogen ist. Wir haben sie erneut rausgeschickt. Diesmal an die Firma XY.

Ich beschiesse, mich nicht aufzuregen und mich zu freuen, dass die Kamera bald wieder zu Hause ist: Na. Das ist ja schön. Dann vielen Dank für alles.

Einen Tag später komme ich in die Firma und erfahre, dass der Postbote mit einem Päckchen da war. Da jedoch niemand 300 Euro in bar mit sich rumschleppte, um die Nachnahme zu bezahlen, haben sie ihn wieder weg geschickt. Ich darf das Päckchen nun doch in der Post abholen. Aber natürlich erst am nächsten Tag. Ich freue mich immer noch und ignoriere die Unverschämtheit, dass reparierte Kameras unangekündigt per Nachnahme versandt werden. Immerhin hatte ich ja noch Glück gehabt, dass es sich nur um die Kamera handelte und man mir nicht ein Auto zustellen wollte.

Als ich das Päckchen öffne und die Rechnung ansehe, muss ich zu meinem Bedauern feststellen, dass selbige auf meine Firma ausgestellt ist. Tief in meinem Inneren zweifel ich daran, dass die Versicherung die Rechnung akzeptiert.

Ich rufe also erneut bei der Reparaturfirma an und schildere mein Problem.

Der selbe komische Typ: Da stelle ich sie mal zur Buchhaltung durch.

Die leicht retardierte Buchhalterin nach erneuter Schilderung des Problems ein wenig hilflos: Wie ist denn ihre Kundennummer?

Ich habe keine. Ich bin ja eine Privatperson und habe ansonsten nie mit ihrer Firma zu tun

Retardierte Buchhalterin: Doch. Die steht auf der Rechnung drauf.

Immer noch gereizte junge Frau: Nein, steht sie nicht. Wenn sie die Rechnung aber eh' umschreiben müssen, können sie ja gerne eine raufschreiben.

Retardierte Buchhalterin: Da muss aber eine stehen.

Tut's aber nicht. In der Zeile, in der steht "Kundennummer", steht nichts dahinter.

Mmmmmmmhhhhhh. Dann geben Sie mir bitte Ihre Postleitzahl.

Welche denn? Die von meiner alten Adresse, wo sie die Kamera zuerst hingeschickt haben, die meiner Firma oder meine richtige?

Ich weiss auch nicht ....

Wie wäre es denn mit der Rechnungsnummer?

Oh. Das geht natürlich auch.

Nach der Durchgabe meiner Rechnungsnummer bleibt sie erst einmal eine Weile stumm.

Meine neue Lieblingsbuchhalterin: Hier steht aber nichts von einer anderen Rechnungsadresse.

Ich habe Ihnen aber ein Auftragsfax geschickt, auf dem die Rechnungsadresse und die abweichende Lieferanschrift stand.

Vollkommen dämliche Buchhalterin: Ich habe den Auftrag aber vor mir liegen und da steht nur die Adresse der Firma.

Ich starre auf das vor mir liegende Fax. Die Wörter "Lieferadresse" und "Rechnungsadresse" sind in Punktgröße 12 und fett geschrieben: MEINEN Auftrag oder ein internes Auftragsformular von IHNEN?

Eins von uns.

Ich werde langsam unbeschreiblich müde: Na dann hat wohl jemand in Ihrem Hause beim Abschreiben Scheisse gebaut.

Die Buchhalterin ist ganz bedröppelt: Mmmmhhhh.

Macht ja nix. Ich bräuchte nur möglichst schnell eine neue Rechnung, damit ich das Geld von der Versicherung wieder bekomme.

Oh. Da muss ich aber erst mit meiner Kollegin reden, aber die ist diese Woche nicht da. Ich kümmere mich aber darum. Auf Wiederhören.

Ich gerate in Panik. Wieso auf Wiederhören? Sie hat ja nicht einmal meine Telefonnummer. Und mein Fax auch nicht. Ich sehe die neue Rechnung bereits durch Deutschland irren, auf der Suche nach einem Briefkasten: Moment, Moment. Wollen Sie sich nicht vielleicht die richtige Rechnungsanschrift notieren?

Oh. Ja. Das könnte ich machen.

Nach der Durchsage der Adresse erlaube ich mir, nochmals auf die Dringlichkeit hinzuweisen: ... Was meinen Sie denn, wie lange es dauern wird?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich weiss nämlich gar nicht, wer bei uns hier im Hause so etwas machen kann.

Eine Rechnung umschreiben. Nee klar. Wenn die nicht lesen können, wird es vermutlich auch niemanden in der Firma geben, der schreiben kann. Ich sollte toleranter werden.
Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass ich nie eine neue Rechnung erhalten werde und greife erneut zum Telefon, um mit der Versicherung zu reden. Vielleicht akzeptiert sie ja die falsche Adresse. Immerhin stehen ja die gleichen Daten drauf, wie auf dem Kostenvoranschlag.

Nachdem ich dem Herrn Sachbearbeiter meine Daten durchgegeben habe und er meinen Fall auf dem Schirm hat, kann er sich an nichts erinnern: Wieso haben sie die Kamera denn reparieren lassen?

Ich bin inzwischen ein wenig wuschig: Weil Sie mir geschrieben haben, dass ich sie reparieren lassen und Ihnen die Rechnung schicken soll.

Sehr dominant auftretender Sachbearbeiter: Haben Sie uns denn die Anschaffungsrechnung eingereicht?

Nein. Sie waren zufrieden mit den Sachen, die ich Ihnen geschickt habe und schrieben, dass in Bezug auf die Kamera alles in Ordnung wäre.

Das kann ich mir nicht vorstellen. Wir brauchen doch den Anschaffungsbeleg.

Ich hatte Ihnen aber geschrieben, dass ich den nicht habe, weil der bei meiner Steuererklärung auf dem Finanzamt liegt.

Ja, wo gibt's denn so etwas? Die Digitalkamera von der Steuer absetzen. Das geht doch nicht.

Bei mir geht das.

Warum?

Äh... Ich habe eben eine tollen Job.

Ja aber, ich kann doch meine Kamera auch nicht von der Steuer absetzen. Wieso können sie das?

Weil ich in meinem Job darauf angewiesen bin.

Wieso das denn?

Soll ich Ihnen das jetzt erklären?

Ich bitte darum.

Ich muss ständig irgendwelche Leute, Häuser, Straßen, Bäume und alles mögliche fotografieren. Früher hatten wir firmeneigene Kameras, aber da Firmenequipment immer so sorglos behandelt wurde und zum Teil sogar geklaut, gibt es jetzt eben keine Kamera mehr. Und da wir aber trotzdem welche brauchen, müssen wir sie uns eben privat zulegen.
Was mache ich hier eigentlich....

Aber so etwas lässt sich doch nicht von der Steuer absetzen.

Ich wünschte, ich würde Herrn Sachbearbeiter mal nachts mit einem Baseballschläger auf der Straße begegnen: Also das Finanzamt sieht das anders.

Na dann können Sie doch aber jetzt nicht die Reparatur der Kamera als Privatperson von der Versicherung fordern.

Hä? Wieso nicht, sie haben mich doch dazu aufgefordert.

Weil sie einer Firma gehört, wenn die Rechnung beim Finanzamt liegt. Dann wäre die Firma der Anspruchsteller.

Aber ich habe ihnen doch gerade erklärt, dass es meine PRIVATE Kamera ist. Die Rechnung liegt im Rahmen MEINER persönlichen Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt. Das zeigt doch wohl, dass ich persönlich der Besitzer der Kamera und somit Anspruchsteller im Versicherungsschaden bin.

Also dann kann die Reparaturrechnung natürlich auch nicht auf die Firma ausgestellt werden, sondern muss ihre Anschrift enthalten.

Okay. Das wollte ich nur wissen. Vielen Dank. Auf Wiederhören.

Das wird bestimmt noch lustig und demnächst, wenn ich endlich mal alle Beweise gesammelt habe, dass ich vor einigen Monaten mal ein Handy besass, geht der ganze Spaß wieder von vorne los.

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